Wenn es um die Sicherheit der Infrastruktur geht, spielt der Faktor Zeit eine entscheidende Rolle. In vielen Gemeinden stützt sich die Überwachung noch immer auf regelmäßige Inspektionen, wodurch Lücken zwischen den Messungen entstehen. Eine Machbarkeitsstudie im Erzgebirge hat sich zum Ziel gesetzt, diesen Ansatz zu ändern. Das tschechische Startup Statotest hat in Zusammenarbeit mit der Stadtverwaltung Elterlein diese Initiative vorangetrieben, um zu untersuchen, wie Echtzeit-Monitoring sowohl die Sicherheit als auch die betriebliche Effizienz verbessern kann. Unterstützt von EDIH Saxony und mitfinanziert durch die Europäische Union bot die Machbarkeitsstudie ein praktisches Beispiel dafür, wie digitale Lösungen in die Verwaltung öffentlicher Infrastrukturen integriert werden können.
Infrastrukturüberwachung neu denken
Im Mittelpunkt des Projekts stand eine Felsformation unterhalb der Straße "Kleiner Anger", ein Bereich, der durch den historischen Bergbau geprägt und daher besonders empfindlich für geologische Verschiebungen ist. Traditionell werden solche Standorte durch Vor-Ort-Inspektionen und punktuelle Messungen überwacht, die den Zustand nur zu bestimmten Zeitpunkten erfassen. Um dies zu ändern, führte Statotest einen kontinuierlichen Überwachungsansatz ein, der auf vernetzten Sensoren und einer cloudbasierten Software basiert. Das System erfasst Schlüsselindikatoren wie Bodenbewegungen, Neigungen und Erschütterungen Faktoren, die frühzeitig Hinweise auf potenzielle Instabilitäten geben.
Statotest ist ein Tech-Startup, das eigene Überwachungssysteme für Infrastrukturanlagen wie Brücken, Masten und Stützmauern entwickelt. Das im Jahr 2020 gegründete Unternehmen mit Sitz in Liberec (Tschechien) hat bereits Dutzende von Projekten im In- und Ausland realisiert und dabei Brücken, Türme, Masten, historische Gebäude und Stützmauern überwacht.
Ein Kernstück der Überwachung ist die "Geosnake", ein Satz hochpräziser Inklinometer, die selbst kleinste Verschiebungen im Gelände erkennen können. Kombiniert mit weiteren Sensoren erzeugt das System einen kontinuierlichen Datenstrom, der die Entwicklung des Standorts im Zeitverlauf widerspiegelt. So kann der Kunde Risiken frühzeitig erkennen.
Daten in Taten umsetzen
Einer der Hauptvorteile des Systems liegt in der Art und Weise, wie die Daten verarbeitet und genutzt werden. Die Sensordaten werden direkt an eine digitale Plattform übertragen, wo sie in Echtzeit analysiert und visualisiert werden. Dies ermöglicht dem kommunalen Team einen stündigen Zugriff auf die aktuelle Situation, ohne vor Ort sein zu müssen. Anstatt sich auf geplante Inspektionen zu verlassen, können sie bei Bedarf reagieren.

Wenn vordefinierte Schwellenwerte überschritten werden, benachrichtigt das System die verantwortlichen Teams sofort und ermöglicht so eine schnellere und gezieltere Entscheidungsfindung. Gleichzeitig unterstützt der kontinuierliche Datenstrom die langfristige Planung, indem er hilft, Instandhaltungsmaßnahmen auf der Grundlage des tatsächlichen Zustands zu priorisieren. Die Machbarkeitsstudie bestätigte die Zuverlässigkeit dieses Ansatzes und zeigte, dass die gesammelten Daten mit bekannten geologischen Mustern und historischen Trends übereinstimmen.
Agile Zusammenarbeit im öffentlichen Sektor
Über die technische Umsetzung hinaus lag ein Schwerpunkt des Projekts auf der Struktur der Zusammenarbeit. Statotest brachte nicht nur seine Technologie, sondern auch seine Erfahrung als Startup ein und führte agile Arbeitsweisen ein. Die Mitarbeiter der Gemeinde wurden durch Workshops und regelmäßige Review-Sitzungen sowie durch einen externen Experten in das Projekt einbezogen. Dazu gehörte auch das Ingenieurbüro Eckert GmbH, ein etablierter Experte für konventionelle geologische Inspektionen. Ihre Beteiligung war notwendig, um die digitalen Daten zu validieren, ihre fundierte Erfahrung mit traditionellen Messmethoden einzubringen und direktes Feedback dazu zu geben, wie die neue Technologie ihre derzeitige Arbeit ergänzen könnte.
Statt einem starren Plan zu folgen, entwickelte sich das Projekt iterativ weiter, wobei Anpassungen auf der Grundlage von praktischem Feedback und betrieblichen Anforderungen vorgenommen wurden. Dieser Ansatz machte es möglich, schnell auf Herausforderungen zu reagieren und sicherzustellen, dass die Lösung auf die praktischen Erfordernisse abgestimmt blieb. Gleichzeitig erhielt die Verwaltung neue Einblicke in die Frage, wie digitale Werkzeuge und Methoden in bestehende Arbeitsabläufe integriert werden können. Für viele öffentliche Einrichtungen ist die Übernahme solcher Ansätze noch ein Lernprozess. Das Projekt zeigt, dass die Kombination von technologischer Innovation mit flexiblen Kooperationsmodellen die Ergebnisse erheblich verbessern kann.

Warum es für Kommunen wichtig ist
Die Einführung der Echtzeit-Überwachung hat bereits zu messbaren Vorteilen geführt. Marco Ludwig von der Stadtverwaltung Elterlein erklärt: “Das System ist sehr nützlich, da es die Effizienz des kommunalen Betriebs verbessert: Es liefert qualitativ hochwertige Ergebnisse (mit der gleichen Auflösung wie traditionelle Methoden), ist aber in Echtzeit verfügbar und online zugänglich. Besuche vor Ort sind also nicht mehr erforderlich.”
Gleichzeitig erhöht das kontinuierliche Monitoring die Sicherheit. Potenzielle Risiken können früher erkannt werden, was präventive Maßnahmen ermöglicht, bevor Probleme eskalieren. Darüber hinaus ergeben sich klare finanzielle Vorteile. Präzisere Daten ermöglichen eine bessere Priorisierung von Wartungs- und Reparaturarbeiten und helfen den Kommunen, ihre begrenzten Ressourcen effektiver einzusetzen.
Ausweitung der Echtzeit-Überwachung in der Praxis
Aufgrund der positiven Ergebnisse haben alle Projektpartner großes Interesse an einer Fortsetzung der Zusammenarbeit bekundet. Der Kontakt zur Kommune besteht weiterhin, und die Ergebnisse werden fortlaufend ausgewertet mit dem Ziel, ein Folgeprojekt zu entwickeln. Das Monitoring am Standort “Kleiner Anger” wird ausgeweitet, um weitere Daten unter unterschiedlichen Umweltbedingungen zu sammeln. Diese nächste Phase wird die langfristige Leistungsfähigkeit des Systems weiter validieren und seine mögliche Ausweitung auf andere Standorte unterstützen. Letztendlich zeigt das Projekt, wie öffentliche Organisationen von reaktiven Prozessen zu datengestützten Entscheidungen übergehen können.
Dieses Gemeinschaftsprojekt wurde von EDIH Saxony mitfinanziert. Als Teil des Programms European Digital Innovation Hubs (EDIH) der Europäischen Union unterstützt EDIH Saxony Unternehmen, insbesondere kleine und mittlere Unternehmen sowie Organisationen des öffentlichen Sektors, umfassend bei der Integration digitaler Technologien. Durch die Förderung von Forschung, Entwicklung und Implementierung digitaler Innovationen trägt EDIH Saxony zur Stärkung der regionalen Wirtschaft und zur Steigerung der digitalen Transformation bei.