In der medizinischen Diagnostik sind Schnelligkeit und leichte Zugänglichkeit entscheidend, in der Praxis jedoch selten miteinander vereinbar. Viele zuverlässige Tests hängen nach wie vor von zentralen Laboren, komplexen Geräten und langen Bearbeitungszeiten ab. Eine Kooperation zwischen attomol GmbH und Diamics GmbH hat sich dieser Herausforderung angenommen: Gemeinsam machten sie fortschrittliche Testverfahren einfacher und anwenderfreundlicher, damit sie auch außerhalb klassischer Laborumgebungen eingesetzt werden können. Unterstützt durch die EDIH-Initiative der Europäischen Union lag der Schwerpunkt des Projekts darauf, schnelle und zuverlässige Diagnostik direkt in den medizinischen Alltag zu bringen.
Molekulardiagnostik neu gedacht
Das Herzstück des Projekts ist ein Verfahren namens LAMP, das den Nachweis von genetischem Material wesentlich schneller ermöglicht als herkömmliche Methoden. Während klassische Ansätze auf flüssige Reagenzien setzen, die aufwendig gelagert und gehandhabt werden müssen, hat Diamics eine praktischere Lösung umgesetzt: kleine, gefriergetrocknete Kügelchen (Beads), die bereits alle notwendigen Komponenten für den Test enthalten. Diese Kügelchen sind bei Raumtemperatur stabil, leicht zu transportieren und unkompliziert in der Anwendung, was sie besonders attraktiv für den dezentralen Einsatz macht.

Dieser Wechsel von flüssigen zu festen Reagenzien war ein zentrales Ziel der Zusammenarbeit. Attomol strebte danach, die Haltbarkeit, Benutzerfreundlichkeit und Skalierbarkeit seiner PCR-basierten Testkits zu verbessern, während Diamics seine Expertise im Bereich der chemofluidischen Point-of-Care-Diagnostik (patientennahe Labordiagnostik) einbrachte. Die innovative iLAMP-Technologie von Diamics baut auf der grundlegenden LAMP-Methode auf. Sie kombiniert eine hohe analytische Leistungsfähigkeit mit minimalem Bedienungsaufwand, wodurch hochentwickelte Diagnostik auch außerhalb von Speziallaboren zugänglich wird. Ergänzend dazu liefert attomol ein kompaktes, handliches Heizgerät, das herkömmliche Thermocycler ersetzt. Dieses tragbare System ermöglicht eine zuverlässige Diagnostik direkt in Apotheken, kleinen Kliniken oder entlegenen Regionen.
Bewährte Leistung in der Praxis
Trotz des vereinfachten Designs liefert das System hochzuverlässige Ergebnisse. Bei Tests auf Laktoseintoleranz erreichte die neue Methode exakt die gleiche Genauigkeit wie etablierte Laborstandards. Ebenso erfolgreich war das System bei der Unterscheidung der Apolipoprotein-E-Genotypen – einem genetischen Marker, der eine wichtige Rolle bei der Entscheidung spielt, ob Patienten für bestimmte Alzheimer-Therapien infrage kommen.
Neben der Präzision sind die Effizienzgewinne enorm: Die Testzeit verkürzt sich von mehreren Stunden auf gerade einmal 15 bis 40 Minuten, was im klinischen Alltag deutlich schnellere Entscheidungen erlaubt. Gleichzeitig verbraucht die Methode weniger Material und macht teure Laborgeräte überflüssig, wodurch jeder einzelne Test kostengünstiger wird. Diese Fortschritte zeigen, dass moderne Diagnostik gleichzeitig hochleistungsfähig und praktisch sein kann.

Ein weiteres wichtiges Ergebnis des Projekts war die erfolgreiche Erprobung und Validierung der Produktionsprozesse. Durch eine schrittweise Entwicklung wurden mehrere Chargen der Testkits hergestellt und ausgewertet, um eine gleichbleibende Qualität und Haltbarkeit über einen längeren Zeitraum zu garantieren. Dieser Schritt ist unerlässlich, um den Sprung von einem vielversprechenden Konzept zu einer verlässlich massenproduzierbaren Lösung zu schaffen.
Agile Zusammenarbeit als Treiber
Ein Schlüssel zum Projekterfolg lag in der Art und Weise der Zusammenarbeit beider Unternehmen. Diamics steuerte nicht nur Technologie bei, sondern fungierte auch als Coach und führte agile Projektmanagement-Methoden wie Scrum ein. Beide Teams arbeiteten in kurzen, sich wiederholenden Zyklen (Sprints), überprüften regelmäßig die Fortschritte und passten das Vorgehen an neue Erkenntnisse an. Workshops, Review-Meetings und Testphasen sicherten ein kontinuierliches Feedback während des gesamten Projekts. Unterstützt durch digitale Tools zur Aufgabenverfolgung und Datenanalyse schuf dieser Ansatz die nötige Flexibilität, um effektiv auf Herausforderungen zu reagieren.
Über die unmittelbaren Projektergebnisse hinaus generierte diese Arbeitsweise auch langfristigen Mehrwert: Attomol konnte neue interne Kompetenzen im agilen Projektmanagement aufbauen, während Diamics seine Position als Technologieanbieter und Innovationspartner stärkte.

Skalierung in einem wachsenden Markt
Die Wirkung dieses Projekts reicht weit über einen einzelnen Anwendungsfall hinaus. Da neue Alzheimer-Therapien vor der Behandlung zwingend einen Gentest erfordern, wird der Bedarf an schneller und leicht zugänglicher Diagnostik massiv ansteigen. Lösungen wie die von attomol und Diamics, können dazu beitragen diesen Bedarf zu decken. Sie machen Tests flächendeckend verfügbar und reduzieren gleichzeitig Kosten und Komplexität für die Gesundheitsdienstleister.
Gleichzeitig legte die Kooperation ein starkes Fundament für zukünftiges Wachstum. Beide Partner prüften bereits Wege, um die Produktion zu skalieren und die Technologie auf weitere Anwendungen – einschließlich eines breiteren Spektrums an Gentests – auszuweiten. Durch den Fokus auf Einfachheit, Schnelligkeit und Zuverlässigkeit unterstützt dieser Ansatz den Wandel hin zu einer modernen Diagnostik direkt im medizinischen Alltag und verbessert so die Patientenversorgung insgesamt.
Dieses Gemeinschaftsprojekt wurde von EDIH Saxony mitfinanziert. Als Teil des Programms European Digital Innovation Hubs (EDIH) der Europäischen Union unterstützt EDIH Saxony Unternehmen, insbesondere kleine und mittlere Unternehmen sowie Organisationen des öffentlichen Sektors, umfassend bei der Integration digitaler Technologien. Durch die Förderung von Forschung, Entwicklung und Implementierung digitaler Innovationen trägt EDIH Saxony zur Stärkung der regionalen Wirtschaft und zur Steigerung der digitalen Transformation bei.